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Was ist Linux? Drucken E-Mail
Geschrieben von Administrator   
Mittwoch, 07. Dezember 2005

Teil 3: Distributionen

Wie bereits erwähnt, ist Linux prinzipiell in der Tat kostenlos, aber grundsätzlich besteht es ja zunächst „nur“ aus den Software-Quelltexten. Nun ist aber sicherlich nicht jedermann in der Lage oder willens, aus den Tausenden von Quelltexten ein komplettes, funktionsfähiges Betriebssystem zu kompilieren (d.h. die Quelltexte mit einem sog. Compiler in binäre, ausführbare Programmdateien zu übersetzen). Dies wird von einer ganzen Reihe von Firmen oder nichtkommerziellen Organisationen erledigt, die komplette Linux-Betriebssysteme in Form von sog. „Distributionen“ herausbringen.

Eine Distribution besteht in der Regel aus einer oder mehreren CDs (oder einer DVD), auf der der Linux-Kernel, alle dazugehörigen Gerätetreiber und Hilfsprogramme sowie z.T. mehrere tausend (!) – meist ebenfalls aus der Open-Source-Szene stammende – Anwendungsprogramme für nahezu jeden Zweck in vorkompilierter Form vorliegen.
Dazu kommen üblicherweise ein (vom jeweiligen Distributor geschriebener) Installer sowie Tools zur Systemverwaltung.
Damit ist die Installation eines funktionierenden Linux-Systems heutzutage nicht mehr schwieriger als z.B. eine Windows-Installation, eigentlich sogar einfacher, weil die meisten Anwendungen nicht einzeln nach erfolgter Betriebssysteminstallation noch (nacheinander!) installiert werden müssen, sondern „in einem Rutsch“ zusammen mit dem Betriebssystem auf die eigene Festplatte kommen.
Abgerundet werden viele Distributionen durch umfangreiche (gedruckte) Dokumentationen sowie zeitlich befristeten Support durch den Distributor - und das alles zu Preisen zwischen ca. 25 EUR und (maximal) 250 EUR.

Eine Reihe von (eigentlich kommerziellen) Distributionen kann man auch in Form von ISO-Images, die anschließend auf CD gebrannt werden, von den Websites der jeweiligen Distributoren kostenlos herunterladen; hierbei erhält man aber natürlich weder eine gedruckte Dokumentation noch Support durch den Distributor.
Tipp: Solche Distributionen sind auch öfter als Beilagen zu Computerfachzeitschriften zu finden; schließlich hat (noch) nicht jeder einen so breitbandigen Internetzugang, um sich „mal eben“ ein oder mehrere rd. 650 Megabyte große ISO-Images downzuloaden.

Die verschiedenen Distributionen unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander in Bezug auf Softwarezusammenstellung und vor allem auch Vorkonfiguration; so sind einige Distributionen besonders auf die Bedürfnisse von Windows-Umsteigern hin konzipiert worden und zeichnen sich vor allem durch komfortable Installation mit weitestgehend automatischer Hardwareerkennung sowie die Bedienung über grafische Benutzeroberflächen und dafür konzipierte Programme aus.
Andere Distributionen richten sich hingegen eher an professionelle Anwender, die Linux für Server- und Netzwerkanwendungen (eine schon „klassische“ Unix- und natürlich auch Linux-Domäne), Softwareentwicklung, wissenschaftliche Arbeit usw. benötigen. Grundsätzlich ist Linux aber so flexibel, das man mit jeder Distribution alles machen kann.

Kommerzielle Distributionen

  • SuSE Linux aus Deutschland (genauer gesagt: Nürnberg).
    SuSE Linux ist - in den „normalen“ Versionen „Personal“ und „Professional“ (es gibt auch noch diverse andere Ausgaben z.B. speziell für den Servereinsatz in Unternehmen) wahrscheinlich von allen Distributionen diejenige, die - dank des hauseigenen Tools YaST2 - am leichtesten und komfortabelsten zu installieren ist. Das kommt natürlich allen Linux-Einsteigern sehr entgegen, sowie allen Nutzern, die schnell und komfortabel zu einem Linux-System für den Desktop kommen wollen.
    Weiterhin wird bei SuSE Wert gelegt auf ein möglichst reibungsloses „Zusammenleben“ ihrer Linux-Distribution mit einem bereits vorhandenen Windows (gerade Anfänger und Heimanwender haben ja sehr oft noch eine Windows-Installation auf dem Rechner); die vorhandenen Windows-Partionen werden automatisch erkannt und ins Dateisystem eingebunden. Außerdem können die vorhandenen Windows-Partitionen während der Installation verkleinert werden, um Platz für Linux zu schaffen. In der neuen Versionen ist das erstmals mit den von Windows NT, 2000 und XP verwendeten NTFS-Partitionen möglich, was die Verwendung externer Spezialtools wie z.B. Partition Magic überflüssig macht.
    Aber natürlich hat soviel Komfort auch seine Schattenseiten; durch die grafischen Konfigurationstools ist es (zunächst) niemals notwendig, das der Benutzer selbst in die Tiefen des Systems einsteigt und sich z.B. mit den Konfigurationsdateien auseinandersetzt, oder die verschiedenen Shell-kommandos erlernt. Und dieses Wissen ist selbst heutzutage oft noch nützlich oder gar notwendig...

  • Red Hat Linux aus den USA.
    Red Hat Linux – aktuelle Versionsnummer: 9.0 – ist (meineswissens) der Weltmarktführer.
    Red Hat genießt allgemein einen sehr guten Ruf und wird vor allem in professionellen Bereich häufig angewandt. Viele kommerzielle Softwareprodukte sind speziell für die Benutzung mit Red Hat geschrieben und zertifiziert.
    Wie die meisten anderen kommerziellen Distributionen auch, verfügt Red Hat über ein grafisches Installations- und Konfigurationsprogramm. Ein möglicher Nachteil ist jedoch, das bestehende Windows-Partionen nicht automatisch erkannt und ins Dateisystem eingebunden werden; d.h. der Zugriff auf Windows-Partionen (und auch nur FAT-Partitionen; NTFS wird gar nicht unterstützt) ist nur mit einiger Handarbeit möglich.
    Die Red Hat-Distribution gibt es in einer Reihe von verschiedenen Ausgaben (zu sehr unterschiedlichen Preisen) für unterschiedliche Einsatzzwecke bei Privatanwendern oder Unternehmen. Bei der „einfachen“ Ausführung geht Red Hat mittlerweile einen sehr ungewöhnlichen Vertriebsweg: Die Distribution ist nicht mehr als Schachtel mit CDs, Handbüchern usw. im Fachhandel erhältlich, sondern wird nur noch als Magazin mit beigelegten CDs über den Zeitschriftenhandel vertrieben (Alternativ ist auch der kostenlose Download von 3 ISO-Images möglich). Sicherlich eine gute Idee, um die Verbreitung von Linux (und natürlich der eigenen Distribution) zu fördern.

  • Mandriva Linux aus Frankreich.
    Mandrake Linux – aktuelle Versionsnummer: 9.2 – hat in den letzten Jahren hinsichtlich Beliebtheit und Marktanteil beständig zugelegt. Mandrake setzt - ähnlich wie SuSE Linux - auch in starken Maße auf komfortable Bedienung und grafische Benutzerführung. So erfolgen Installation und Konfiguration über komfortable grafische Tools, und es können auch Windows-Partition (sowohl FAT als auch NTFS) während der Installation verkleinert werden; außerdem werden diese ebenfalls automatisch erkannt und in den Linux-Verzeichnisbaum eingebunden.
    Und natürlich bringt all dieser Komfort ähnliche (mögliche) Nachteile mit sich wie bei SuSE Linux...

Nichtkommerzielle Distributionen

  • Debian GNU/Linux
    Debian GNU/Linux – aktuell: Version 3.1 (Beiname „Sarge“) – nimmt eine Sonderstellung unter den Linux-Distributionen ein:
    Bei Debian handelt es sich nämlich nicht um eine kommerzielle (und somit natürlich grundsätzlich gewinnorientiert handelnde) Firma, sondern um eine Gemeinschaft von ehrenamtlich tätigen Entwicklern.
    Debian ist somit diejenige Distribution, die dem Open-Source-Gedanken am nächsten steht und angeblich überhaupt keine kommerzielle Software – auch solche, die kostenlos nutzbar ist – mitliefert.
    Debian GNU/Linux beinhaltet meist ältere, aber dafür ausgiebig getestete und somit ausgereifte Programmversionen und ist insbesondere bei Softwareentwicklern sowie altgedienten „Hardcore“-Linuxern besonders beliebt.
    Installation und Bedienung sind – verglichen mit einigen kommerziellen Distributionen – relativ unkomfortabel (keine grafischen Konfigurationstools) und setzen sowohl Linux-Vorkenntnisse als auch eine gewisse Einarbeitung voraus. Debian gilt als besonders „schlankes“, d.h. resourcenschonendes sowie stabiles System mit einer herausragenden (Software-)Paketverwaltung namens APT.
    Debian wird - natürlich kostenlos - in Form von herunterladbaren ISO-Images vertrieben; Installationsanleitung, Handbuch usw. sind ebenfalls in elektronischer Form vorhanden.
    Ein nichtkommerzielles Open-Source-Projekt wie Debian ist natürlich nicht in der Lage, ihre Distribution selber in Form von gepreßte CDs und gedruckten Handbüchern auf den Markt zu bringen. Dem haben sich aber eine ganze Reihe von Firmen angenommen, die Debian GNU/Linux in dieser Form und z.T. sogar mit Supportanspruch verkaufen (das gibt's dann natürlich nicht mehr kostenlos); in Deutschland macht das u.a. LinuxLand.

  • Ubuntu
    Ubuntu basiert auf der jeweils stabilen Version von Debian GNU/Linux, und vereint damit sowohl einen technisch sauberen Aufbau mit sehr guter Paketverwaltung, als auch gute Hardwareerkennung, einfache und schnelle Installation und Benutzerfreundlichkeit. Daher eignet Ubuntu sich sehr gut für Linux-Einsteiger, aber durchaus auch an fortgeschrittene Linux-Benutzer, bis hin zu profesionellen Anwendern. Dies wird unter anderem auch auf der Seite von Distrowatch deutlich, auf der Ubuntu seit Monaten als Distribution geführt, die am häufigsten heruntergeladen wird. Mittlerweile gibt es Ubuntu in verschiedenen Ausführungen, je nachdem welche Desktopumgebung man bevorzugt:

  • Gentoo

Spezialitäten

  • Knoppix
    Das von Dipl.-Ing. Klaus Knopper auf der Basis von Debian GNU/Linux entwickelte Knoppix nimmt eine Sonderstellung unter den Linux-Distributionen ein: Es wird nämlich nicht auf die Festplatte installiert, sondern startet komplett von CD, ohne das irgendwelche Daten auf die Festplatte geschrieben werden.
    Es bringt alles mit, was auch sonst zu einer „normalen“ Linux-Installation gehört, also Office-Paket, Webbrowser, einge Spiele usw.
    Das macht Knoppix zu einem idealen Test- und auch Rettungssystem (nicht zuletzt auch für defekte Windows-Installationen) und eignet sich auch z.b. für interessierte Einsteiger dazu, in Linux „hineinzuschnuppern“, ohne irgendetwas installieren zu müssen.
    Knoppix kann kostenlos als ISO-Image von der o.a. Adresse heruntergeladen werden.

Darüber hinaus existieren noch mehrere Dutzend (!) weitere Distributionen, die hier aber nicht mehr im einzelnen vorgestellt werden (können) und auch größtenteils wenig verbreitet sind.



 
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